Lebenshaltungskosten in Deutschland
Lebenshaltungskosten in Deutschland

Bevor man ein Darlehen aufnimmt, um ein Auto zu kaufen oder ein eigenes Haus zu finanzieren, sollte man sich einen guten Überblick über die eigenen Lebenshaltungskosten verschaffen. Diese Kosten werden nämlich von der Bank bei der Überprüfung der Bonität eines Kreditinteressenten berücksichtigt.

Ein Großteil der Kreditinstitute nimmt jedoch nicht die tatsächlich anfallenden Lebenshaltungskosten, sondern eine sogenannte Haushaltspauschale als Berechnungsgrundlage.

Für Darlehensnehmer ist es auf jeden Fall zweckmäßig, vorab eine Berechnung der laufenden Einnahmen und Ausgaben vorzunehmen. Das ist sehr hilfreich bei der Einschätzung, ob Sie es tatsächlich schaffen werden, ein Darlehen zurückzubezahlen.

Aus welchen Ausgaben bestehen die Lebenshaltungskosten?

Zu den Lebenshaltungskosten zählen alle Ausgaben, die regelmäßig im Alltag anfallen und das Überleben sichern. Auch alles, was Freizeit und Reisen, aber auch Bildung betrifft, wird ebenfalls zu diesen Kosten gezählt.

Die Höhe dieser Kosten kann variieren. Sie hängen vom Wohnort, der Größe des Haushalts und dem Lebensstandard der Beteiligten ab.

Das Mietniveau ist in Großstädten ebenso wie in Universitätsstädten bedeutend höher als auf dem Land. Ein Theaterabonnement oder regelmäßige Restaurantbesuche sind genau wie häufige Reisen ein erheblicher Kostenfaktor.

Ausgaben für privaten Konsum

Hier erfahren Sie, welche konkreten Lebenshaltungskosten es gibt und wie Sie diese berechnen können. Dadurch erhalten Sie eine gute Übersicht über Ihre monatlichen Ausgaben!

Folgende Bereiche der monatlichen Kosten für den Lebensunterhalt werden vom Statistischen Bundesamt als private Konsumausgaben erfasst:

  • Wohnkosten (Miete & Nebenkosten)
  • Lebensmittel (Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren)
  • Kleidung
  • Drogerieartikel
  • Mobilität (Kfz-Kosten, Kosten für ÖPNV, Flugtickets)
  • Bildung (Ausbildungs- und Studiengebühren, Materialkosten)
  • Urlaub
  • Sport und Freizeit (Sport, Kino, Theater)
  • Kosten der Tierhaltung

Weitere Ausgaben

Zu den Kosten, mit denen man den Alltag bestreitet, können neben den direkten Lebenshaltungskosten noch weiteren Ausgaben kommen. Sie werden vom Statistischen Bundesamt zwar nicht direkt als Lebenshaltungskosten erfasst, vorhanden sind sie dennoch.

Es handelt sich um

  • Unterhaltszahlungen
  • Versicherungen
  • Raten für bestehende Kredite
  • Bewirtschaftungskosten für bestehende Immobilien

Fachbegriffe für Ihre Ausgaben im Haushalt werden kurz erklärt

Die unterschiedliche Verwendung der Begriffe für Haushaltskosten sind oft verwirrend. Obwohl sie oft sinnverwandt oder sinngleich benutzt werden, bestehen sie aus verschiedenen Bestandteilen. Unsere Erklärungen helfen Ihnen, in Zukunft eindeutig zwischen Lebenshaltungskosten, Haushaltspauschale und Verbraucherindex unterscheiden zu können.

Was sind überhaupt Lebenshaltungskosten?

Zunächst werden sämtliche Ausgaben eines Haushalts unter dem Begriff Lebenshaltungskosten gebündelt. Neben den monatlichen Fixkosten rechnet man auch die zusätzlichen Aufwendungen, welche in größeren Intervallen regelmäßig oder unregelmäßig anfallen, zu den Lebenshaltungskosten dazu. Es werden bei einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnungen die Nettoeinnahmen aus dem Arbeitseinkommen verwendet ohne die Berücksichtigung der Steuern und Sozialabgaben.

Unterschiede zur Haushaltspauschale

Die Haushaltpauschale verwenden Banken, um anhand eines festgelegten Betrages die Bonität eines Kreditnehmers zu ermitteln.

Kreditinstitute legen auf Grundlage von statistischen Daten diese Haushaltspauschale fest. Die Höhe richtet sich nach der Art der zugrunde liegenden Lebenshaltungskosten und kann verschieden hoch sein. Die zurzeit gültigen Haushaltspauschalen sind:

  • Für einen 1-Personen-Haushalt: mindestens 790 Euro
  • Für einen 2-Personen-Haushalt: mindestens 995 Euro

Sobald in einem Haushalt Kinder leben, erhöht sich diese Pauschale um 154 Euro für jedes Kind.

Unterschiede zum Verbraucherpreisindex

Beim Verbraucherindex werden folgende Kategorien nicht berücksichtigt:

  • Unterhaltszahlungen
  • Versicherungen
  • Raten für bestehende Kredite
  • Bewirtschaftungskosten für bestehende Immobilien.

Bei den pauschalen Berechnungen der Banken sind diese dagegen enthalten.

Der Verbraucherpreisindex besteht aus einem Warenkorb, welcher die Ausgaben für die wichtigsten Produkte und Dienstleistungen aus den verschiedenen Lebensbereichen beinhaltet. Auf Grundlage dieses Warenkorbs berechnet das Statistische Bundesamt in regelmäßigen Abständen die Lebenshaltungskosten in der Bundesrepublik Deutschland. Es werden über 600 verschiedene Gruppen von Konsumgütern und anderen Ausgaben in diese Preisentwicklung eingearbeitet.

Anwendung

Die Lebenshaltungskosten sind eine volkswirtschaftliche Kennzahl.

Sie hat in den deutschsprachigen Nachbarländern ähnlich klingende, aber dennoch unterschiedliche Bezeichnungen.

  • Deutschland: Lebenshaltungskostenindex, Verbraucherpreisindex
  • Österreich: Verbraucherpreisindex
  • Schweiz: Landesindex der Konsumentenpreise

Die europäische Statistikbehörde Eurostat berechnet einen harmonisierten Verbraucherindex von allen EU-Mitgliedstaaten nach einheitlichen Regeln in der ganzen EU.

Das kann bei Dauerschuldverhältnissen wie beispielsweise Indexmietverträgen als Wertsicherungsklausel dienen.

Steuerrecht

Im Einkommensteuerrecht gelten Lebenshaltungskosten als Aufwendung für den täglichen Bedarf des Steuerpflichtigen und seiner Angehörigen. Sie sind daher, anders als Werbungskosten oder Betriebsausgaben, nicht abzugsfähig.
Sie gelten als „Aufwendungen der Lebensführung“ und sind daher nicht abzugsfähig (§ 12 Nr. 1 EStG).

Wirtschaftliche Aspekte

Wirtschaft und Politik nutzen die monatlichen Erhebungen als eine von vielen Entscheidungsgrundlagen für ihr Handeln. Der Verbraucherpreisindex und die zugrunde liegende Preisentwicklung lassen Rückschlüsse auf die Inflationsrate zu.

Mit dieser Inflationsrate kann unter anderem die Erfüllung des Staatsziels der Preisniveaustabilität gemessen werden (Art. 127. AEUV, § 1 StabG).

Manche Gütergruppen oder Dienstleistungen besitzen eine höhere Gewichtung im Warenkorb als andere. Mietkosten und Energiepreise sind Beispiele dafür. Steigen sie stärker als andere Güter und Dienstleistungen, dann wirken sie als Kostentreiber. Sobald sie sich stärker als die allgemeine Inflationsrate verteuern, erhöht sich die Konsumquote eines Haushalts, ohne dass dieser tatsächlich mehr konsumiert.

Ernst Engel hat in dem nach ihm benannten „Engel’schen Gesetz“ den Anteil der Konsumausgaben für Lebensmittel festgelegt.

Die Ausgaben für Wohnung (Wohnungsmiete und Nebenkosten) werden im „Schwabe’schen Gesetz“, welches nach Hermann Schwabe benannt wurde und in der Mietbelastungsquote berücksichtigt.

Konsumausgaben privater Haushalte 2021 sind um knapp 0,2 % gesunken

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Weltverbrauchertages am 15. März 2022 mitteilt, waren die preisbereinigten Konsumausgaben der privaten Haushalte im Inland nach den Konzepten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen im Jahr 2021 um 0,2 % niedriger als 2020 und blieben somit im zweiten Corona-Jahr 5 % unter dem Vorkrisenniveau des Jahres 2019. [Quelle Destatis]

Die Corona Pandemie lässt die Deutschen ihr Geld anders ausgeben als zuvor.

Die Ausgaben für Nahrungsmittel verbleiben auf hohem Niveau, da man nicht immer sich zu Hause etwas Besonderes gönnt. Das steht in direktem Zusammenhang mit den gesunkenen Ausgaben für Gastgewerbe, Kultur und Freizeit. Es treten erste Sättigungseffekte bei den Ausgaben für Autos und andere langlebigen Gebrauchsgütern wie beispielsweise Möbel auf.

Ein durchschnittlicher Singlehaushalt wird in der Statistik mit 1.600 € Konsumausgaben pro Monat erfasst. Davon entfallen 15,4 % der Ausgaben auf Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren. Einen großen Anteil gibt der durchschnittliche Singlehaushalt für Wohnung und Energie aus, nämlich 25,5 %
[Quelle: Statista]

Paare mit Kindern sind seit dem Jahr 2013 mit einer Steigerung der Kosten um 16 % belastet. Die Kosten für die Versorgung stieg von 660 Euro im Jahr 2013 auf 763 Euro im Jahr 2018 an.

Sondererhebung von Konsumdaten anlässlich des Konjunkturprogramms

Das Bundesfinanzministerium ließ von August bis Dezember 2020 bei Privathaushalten in ganz Deutschland jeden Monat Befragungen zu den Konsumgewohnheiten durchführen. Die Regierung wollte feststellen, ob die von ihr in die Wege geleiteten Maßnahmen zur Belebung der Konjunktur Wirkung zeigt. Vorausgegangen waren die Absenkung der Mehrwertsteuer und ein Kinderbonus.

Lebensqualität in Bezug zu den Lebenshaltungskosten

Wer sich seine neue Heimat aussuchen kann, wird zuallererst auf die Lebenshaltungskosten schauen. Diese allein sind noch nicht entscheidend. Aspekte wie die medizinische Versorgung, das kulturelle Angebot und nicht zuletzt öffentliche Sicherheit und politische Stabilität sollten in solche Überlegungen unbedingt mit einbezogen werden. Erst dann kann man ein Gesamtbild über die vorhandene Lebensqualität entwerfen.

Anteil der Lebenshaltungskosten vom Netto-Einkommen

Das durchschnittliche Einkommen von Paaren mit Kindern (unabhängig von der Anzahl) lag im Jahr 2018 in Deutschland bei 5.490 Euro im Monat. Wenn man diesen Betrag zu Grunde legt, erreichen die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten einen Anteil von rund 62 Prozent.

Lebenshaltungskosten bei Rentnern

Die Daten der Lebenshaltungskosten für Haushalte von Rentnern und Pensionären werden statistisch nicht getrennt von denen anderer Haushalte erfasst. Das Bundesministerium für Wirtschaft geht nach eigenen Berechnungen von einem ähnlichen Verbraucherverhalten bei Rentnern wie in der Gesamtgesellschaft aus.
Für den Anteil der Lebenshaltungskosten werden folgende Werte angenommen:

  • Wohnkosten: ca. 20 bis 30 Prozent
  • Nahrungsmittel: ca. 15 Prozent
  • Freizeit und Unterhaltung: ca. 12 Prozent
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Wir vergleichen Kredite mit einem Zinssatz zwischen 0,68 und 19,99%.

Repräsentatives Beispiel gem. §6a PAngV: Bei einem Nettodarlehensbetrag von 10 000 Euro und einer Laufzeit von 72 Monaten erhalten ca. zwei Drittel aller Kunden einen effektiven Jahreszinssatz in Höhe von 7,22% (72 monatliche Raten à 171 Euro, gebundener Sollzinssatz: 6,99% p.a., Zinsbetrag 2.262 Euro, Gesamtbetrag: 12.262 Euro)

Effektiver Jahreszins min 0,68% - max 19,99%. Vertragslaufzeit min 1 – max 10 Jahre.